

Die Rauhnächte im Allgäu – eine ganz besondere Zeit
Es gibt Zeiten im Jahr, die sich ein bisschen anders anfühlen. Stillere Zeiten. Tiefere Zeiten. Zeiten, in denen man fast das Gefühl hat, dass die Welt kurz innehalten möchte.
Eine dieser besonderen Phasen sind die Rauhnächte – zwölf Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, die hier bei uns im Allgäu seit Generationen gefeiert, gelebt und liebevoll bewahrt werden.
Für mich gehören die Rauhnächte zu den Momenten, die mich immer wieder erden. Vielleicht, weil sie uns einladen, das Alte loszulassen. Vielleicht, weil sie uns daran erinnern, für das Neue offen zu sein. Oder vielleicht einfach, weil sie uns ein wenig näher zu uns selbst bringen.
Was die Rauhnächte so besonders macht
Die Rauhnächte haben eine lange Tradition. Früher glaubte man, dass in dieser Zeit die Grenze zwischen unserer Welt und der „anderen Welt“ dünner wird – dass man deutlicher spüren kann, was man loslassen möchte und was ins neue Jahr mitkommen darf.
Der Begriff „Rauhnacht“ kommt wahrscheinlich vom Räuchern. Noch heute ziehen viele Familien im Allgäu – mit Kräutern wie Wacholder, Salbei und Beifuß durch Haus und Stall. Nicht als Ritual, das „müssen“ bedeutet, sondern als kleines Zeichen für Frieden, Schutz und Neubeginn.
Zwölf Nächte – zwölf Monate
Jede Nacht steht für einen Monat im kommenden Jahr. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie viel man wahrnimmt, wenn man sich ein bisschen Zeit schenkt: Gedanken, Träume, Begegnungen oder kleine innere Impulse.
Viele schreiben während der Rauhnächte ein paar Zeilen auf. Andere räuchern. Wieder andere ziehen sich bewusst zurück, sitzen bei Kerzenlicht zusammen oder genießen einfach die Ruhe des Winters. Alles darf sein. Nichts muss.
Rauhnächte in der Alpzitt – das spürt man
Vielleicht liegt es daran, dass unser Chaletdorf selbst ein Ort des Ankommens ist. Vielleicht an den Bergen, die im Winter eine eigene Sprache sprechen. Vielleicht an der Wärme, die entsteht, wenn Gäste sich fallen lassen dürfen.
In den Rauhnächten hat die Alpzitt für mich noch einmal eine besondere Energie:
- Das Knistern im Kamin.
- Die klare Winterluft morgens vor der Hüttentür.
- Das Gefühl, dass die Tage langsamer werden.
Viele unserer Gäste erzählen uns, dass sie hier Dinge fühlen, die im Alltag untergehen. Und ich glaube, genau dafür sind die Rauhnächte da.
Unsere kleinen Rituale
Ein paar Dinge haben bei uns Tradition – nicht fest, nicht streng, sondern als Einladung:
Räuchern
Mit Kräutern aus dem Allgäu. Einfach, um die Räume zu öffnen und die Gedanken zu beruhigen.
Wünsche für das neue Jahr
Zwölf Wünsche, zwölf Nächte. Elf werden verbrannt – einer bleibt. Und der ist der Wunsch, für den man selbst sorgt.
Dankbarkeit
Wir schauen zurück auf das Jahr, auf alles Schöne, aber auch auf das, was schwer war. Beides gehört zu uns.
Was die Rauhnächte uns lehren
Vielleicht ist es das Wichtigste: Dass wir uns selbst wieder ein bisschen näher kommen dürfen. Dass wir uns Zeit schenken – echte, stille Zeit. Und dass wir vertrauen dürfen, dass das Neue seinen Weg findet, wenn wir bereit sind.
Ein persönlicher Wunsch zum Abschluss
Wenn ihr die Rauhnächte bei uns verbringt – oder auch zu Hause – wünsche ich euch: Leichtigkeit für das, was ihr loslassen möchtet. Mut für das, was kommen darf.
Und ganz viel Wärme für die Menschen um euch herum. Möge jede der zwölf Nächte ein kleines Licht für euer neues Jahr sein.
Aus dem Herzen – eure
Sonja
